Seit dem Cannabisgesetz führt ein einmaliger Verstoß knapp über dem Grenzwert von 3,5 ng/ml aktivem THC in der Regel nicht mehr zur MPU. Angeordnet wird sie vor allem bei wiederholten Fahrten unter Cannabiseinfluss oder wenn zusätzliche Umstände auf einen Cannabismissbrauch hindeuten – etwa ein sehr hoher THC-Wert, ein hoher THC-COOH-Wert, Ausfallerscheinungen oder Mischkonsum mit Alkohol. Wie lange du dann Abstinenz nachweisen musst, hängt von deinem Konsummuster ab und reicht von gar keinem Nachweis bis zu 15 Monaten.
Beim Thema Cannabis hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Seit dem Cannabisgesetz gelten neue Regeln, und viele Fälle, die früher fast automatisch zur MPU geführt haben, tun das heute nicht mehr.
Daraus ist allerdings ein Missverständnis entstanden, das mir am Telefon ständig begegnet: „Cannabis ist doch jetzt legal, also ist das doch kein Problem mehr." Das stimmt so leider nicht. Legalisiert wurden Besitz und Konsum, nicht die Teilnahme am Straßenverkehr unter Einfluss. Wer bekifft fährt, riskiert seinen Führerschein weiterhin.
Hier bekommst du den aktuellen Stand: was der Grenzwert bedeutet, wann die MPU tatsächlich angeordnet wird, wie lange du Abstinenz nachweisen musst und was du tun kannst, wenn dein Fall noch aus der Zeit vor der Gesetzesänderung stammt.
Seit August 2024 gilt ein gesetzlicher Grenzwert von 3,5 Nanogramm aktivem THC pro Milliliter Blutserum, geregelt in § 24a Absatz 1a StVG. In seiner Bedeutung soll er ungefähr der 0,5-Promille-Grenze beim Alkohol entsprechen. Vorher lag der Wert bei 1,0 ng/ml und wurde über Jahre als zu niedrig kritisiert, weil er im Grunde nur die Nachweisgrenze im Labor abbildete und keine tatsächliche Wirkung.
Wer diesen Wert erreicht oder überschreitet, begeht eine Ordnungswidrigkeit: 500 Euro Bußgeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot beim ersten Verstoß. Kommt Alkohol dazu, wird es deutlich teurer.
Ein positiver Schnelltest am Straßenrand bedeutet übrigens noch nicht, dass eine Ordnungswidrigkeit vorliegt. Er ist der Anlass für eine Blutprobe, und erst deren Ergebnis zählt.
Diese beiden Werte werden häufig verwechselt. Der Unterschied ist aber wichtig, weil sie unterschiedliche Dinge aussagen.
THC ist der aktive, rauschwirksame Wirkstoff. Er zeigt an, ob du zum Zeitpunkt der Fahrt unter Wirkung standest oder vor wenigen Stunden noch Konsum stattgefunden hat. Der Wert sinkt binnen weniger Stunden rapide und ist in der Regel nach 12 bis 24 Stunden nicht mehr nachweisbar. Bei regelmäßigen Konsumenten ist das Nachweisbarkeitsfenster etwas länger.
THC-COOH ist ein nicht rauschwirksames Abbauprodukt, das deutlich länger nachweisbar bleibt. Es lässt Rückschlüsse auf dein Konsummuster zu, also darauf, wie regelmäßig und wie viel du konsumiert hast. Deshalb schaut die Behörde genau auf diesen Wert: Ein hoher THC-COOH-Wert spricht für regelmäßigen Konsum, und regelmäßiger Konsum ist einer der Umstände, aus denen die Behörde auf einen Missbrauch schließen kann.
Rechtsgrundlage ist § 13a der Fahrerlaubnisverordnung in Verbindung mit Nr. 9.2 der Anlage 4. In der Praxis laufen die Fälle auf drei Konstellationen hinaus.
Wiederholte Fahrten unter Cannabiseinfluss. Das ist der häufigste Grund. Wer ein zweites Mal mit einem Wert über 3,5 ng/ml auffällt, muss zur MPU. Die Behörde hat dabei kein Ermessen, sie muss die MPU anordnen.
Eine feste Frist, innerhalb derer die beiden Verstöße liegen müssen, nennt das Gesetz nicht. Dort steht schlicht „wiederholt". Begrenzt wird das in der Praxis über die Tilgungsfristen im Fahreignungsregister, aber Gerichte haben auch Verstöße als wiederholt gewertet, die viele Jahre auseinanderlagen. Wenn du also irgendwo eine feste Jahreszahl liest, ist das eine Faustregel aus der Praxis und keine gesetzliche Vorgabe.
Zusatztatsachen bei einem einzelnen Verstoß. Ein einmaliger Verstoß knapp über dem Grenzwert führt bei Ersttätern heute in der Regel nicht mehr zur MPU. Anders wird es, wenn Umstände hinzukommen, die auf einen Cannabismissbrauch hindeuten. Dazu zählen typischerweise:
Wie streng die einzelne Führerscheinstelle das handhabt, ist unterschiedlich, denn die Behörden legen die Regeln nicht überall gleich aus. Feste Schwellen, ab denen zwingend eine MPU kommt, gibt es außerhalb der Wiederholungsfälle nicht. Grundlegend kannst du dir merken: Je mehr Hinweise auf einen Missbrauch bestehen, desto eher wird eine MPU angeordnet.
Ein aktenkundiger Missbrauch oder eine Abhängigkeit. Wenn der Behörde entsprechende Informationen vorliegen, etwa ein Entlassbericht aus einer Klinik, wird die MPU direkt angeordnet. Das kommt aber nur selten vor.
Beim Mischkonsum wird es deutlich strenger. Wer beides kombiniert, muss beim ersten Verstoß mit 1.000 Euro Bußgeld, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot rechnen.
Für die Fahrerlaubnisbehörde ist ein nachgewiesener Mischkonsum ein starkes Argument für einen Missbrauch, und deshalb kann sie auch bei einem einmaligen Vorfall eine MPU anordnen. Eine weitere Konstellation solltest du kennen: Wenn du einmal mit über 3,5 ng/ml auffällig wirst und innerhalb von fünf Jahren zusätzlich mit über 0,5 Promille, führt auch das zur MPU.
Ob daraus eine MPU mit doppelter Fragestellung wird, also Alkohol und Drogen zusammen, entscheidet die Behörde im Einzelfall. Wenn ja, gelten die Anforderungen aus beiden Bereichen und die Begutachtung wird teurer.
In der Probezeit und für alle unter 21 gilt am Steuer faktisch ein absolutes Cannabisverbot, vergleichbar mit der 0,0-Promille-Regel beim Alkohol. Entsprechend kommt die MPU hier eher.
Je nach Behörde kann ein erster Verstoß zunächst nur zu einem Aufbauseminar führen. Wird jemand danach erneut auffällig, auch mit einer anderen Ordnungswidrigkeit, mündet das dann in die MPU.
Bei Cannabis hängt die Anforderung davon ab, wie intensiv du konsumiert hast und welche Ursachen dahinterstanden:
| Konsumform | Abstinenzdauer |
|---|---|
| Gelegentlicher Konsum | in vielen Fällen ohne Abstinenznachweis möglich |
| Regelmäßiger Konsum | 4–6 Monate |
| Langjähriger, regelmäßiger Konsum | 12 Monate |
| Missbrauch | 15 Monate – oder 12 Monate mit therapeutischer Maßnahme |
| Abhängigkeit | 15 Monate – oder 12 Monate mit therapeutischer Maßnahme |
Wie die Nachweise konkret funktionieren, also Haaranalyse, Urinprogramm, Kosten und die Stolperfallen, an denen Programme scheitern, habe ich im Artikel zur Abstinenzdauer ausführlich beschrieben.
Wer früher mit einem Wert zwischen 1,0 und 3,5 ng/ml erwischt wurde, konnte damals seine Fahrerlaubnis verlieren. Nach heutiger Rechtslage wäre derselbe Fall oft nicht einmal mehr eine Ordnungswidrigkeit.
Automatisch aufgehoben wird da nichts, aber du kannst aktiv werden. Stell einen Antrag auf Neuerteilung oder frag bei deiner Führerscheinstelle nach, wie dein alter Fall nach der aktuellen Rechtslage bewertet wird. Wenn der damalige Verstoß nach heutiger Handhabung keinen Missbrauch begründet, wird die Fahrerlaubnis in der Regel auch ohne MPU erteilt.
Falls deine Behörde das anders sieht oder dein Fall komplizierter liegt, ist das ein Punkt für einen Fachanwalt für Verkehrsrecht. Ich bin kein Anwalt und gebe dir keine Rechtsberatung, aber ich sage dir ehrlich, wenn ich denke, dass sich der Weg für dich lohnt.
Dieses Thema kommt regelmäßig, und meistens aus dem falschen Grund. Viele hoffen, mit einer Cannabismedikation leichter durch die MPU zu kommen.
Das Gegenteil ist der Fall. Wenn du dich auf eine medizinische Verordnung berufen willst, musst du über medizinische Verlaufsbefunde nachweisen, dass die Cannabismedikation für dich die letzte verbleibende Option war, dass also vorher mehrere andere Therapieversuche gescheitert sind. Das ist aufwendig, dauert deutlich länger und ist erheblich schwerer als der normale Weg.
Es gibt Fälle, in denen diese Medikation wirklich notwendig ist, aber sie sind selten, und wer sie als Umweg benutzt, wird von den Gutachtern in aller Regel durchschaut.
Wenn die MPU angeordnet ist, entscheidet nicht der Wert in deiner Akte, sondern das psychologische Gespräch.
Der häufigste Fehler bei Cannabis ist die Bagatellisierung, und seit der Legalisierung höre ich sie noch öfter als vorher. „Ist doch nur Gras" oder „das ist jetzt sowieso legal" sind Sätze, die Gutachter jeden Tag hören. Sie hören dabei besonders genau hin, weil sie prüfen sollen, ob dir klar ist, welches Risiko in dieser Situation von dir ausgegangen ist.
Der zweite Fehler ist eine zu dünne Antwort auf die Ursachenfrage. Wer sagt, er habe konsumiert, weil es im Freundeskreis dazugehörte oder weil es entspannt, liefert dem Gutachter nichts, womit der arbeiten kann. Denn fast immer steckt mehr dahinter. Cannabis ersetzt bei den meisten etwas, das an anderer Stelle gefehlt hat: Zugehörigkeit, Entlastung oder die Möglichkeit, Gedanken abzuschalten, mit denen man sonst nicht klarkommt. Wer das für sich herausgearbeitet hat, kann auch erklären, warum er es heute nicht mehr braucht.
Genau daran arbeite ich mit meinen Klienten. Ich gebe dir keine fertigen Antworten, sondern gehe deinen Fall so lange mit dir durch, bis du selbst verstanden hast, was bei dir los war. Über 96 % meiner Klienten bestehen beim ersten Versuch.
Lukas war 17, als er mit 11 ng/ml aktivem THC und 1,13 Promille von der Straße abgekommen und gegen einen Baum gefahren ist. Auf dem Beifahrersitz saß ein Familienmitglied, das bei dem Unfall gestorben ist. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Regelmäßig konsumiert hat er schon vorher. Danach hat sich daraus ein schwerer Cannabismissbrauch entwickelt, mit dem er die Schuldgefühle und die Depression betäubt hat, die auf den Unfall folgten, bei Mengen von bis zu 6 bis 8 Gramm am Tag. Vier Wochen stationärer Entzug in einer Suchtklinik lagen hinter ihm, als er zu mir kam.
In der Aufarbeitung sind wir seine Lebensgeschichte durchgegangen und dabei auf die Beziehung zu seinem Vater gestoßen. Lukas hatte schon lange vor dem Unfall das Gefühl, ihm nie zu genügen, und der Cannabiskonsum hatte für ihn die Funktion, dieses Gefühl nicht spüren zu müssen. Nach dem Unfall kamen die Schuldgefühle dazu, wodurch sich der Konsum nochmal massiv gesteigert hat. Dazu haben wir uns seinen Glaubenssatz angeschaut, Cannabis sei im Grunde harmlos, mit dem er seinen Konsum jahrelang vor sich selbst gerechtfertigt hat.
Der wichtigste Teil der Arbeit war, dass Lukas den Unfall als Teil seiner Lebensgeschichte annehmen konnte, ohne sich weiter dafür zu bestrafen. Solange er sich ausschließlich als Täter gesehen hat, war eine ehrliche Auseinandersetzung mit seiner Zukunft nicht möglich.
Lukas hat 12 Monate Abstinenz per Haaranalyse nachgewiesen, parallel dazu Alkohol, alle Werte negativ, und beim ersten Versuch bestanden. Rund 80 Prozent der Menschen von früher sind heute aus seinem Leben raus, er ist weggezogen, hat sich ein eigenes Kleinunternehmen aufgebaut und geht weiterhin regelmäßig zur Therapie.
Wenn du wissen willst, ob in deinem Fall eine MPU kommt, wie lange du Abstinenz nachweisen musst und wie der Weg für dich aussieht, dann trag dich für eine kostenlose Erstberatung ein. Wir telefonieren 20 Minuten, unverbindlich. Ich schaue mir deine Werte und deine Vorgeschichte an und sage dir ehrlich, womit du rechnen musst. Kein Verkaufsgespräch, kein Druck.